Realisierung eines optimalen Schnittschutzes

Marketingleiter Paul Tierney von Ansell spricht über die Auswahl der richtigen Handschuhe

Jahr für Jahr zählen Handverletzungen zu den Hauptursachen für das Aufsuchen von Notaufnahmen und Arbeitsausfällen. Da Schnitt- und Fleischwunden die häufigsten Handverletzungen sind, ist der Schnittschutz ein wichtiges Thema im aktuellen Arbeitsschutzmanagement.

Gloves in action

Jeder Arbeitsplatz birgt eigene Bedingungen und Gefahren, so dass eine Festlegung des optimalen Schutzes für jeden Mitarbeiter schwierig sein kann. Unser Marketingleiter im Bereich des Schnittschutzes sprach mit uns über die komplexe Aufgabe der Auswahl der richtigen Handschuhe, die den Träger bei der Ausübung seiner Tätigkeiten nicht einschränken oder behindern.

F1: Was gehört zu einem wirksamen Schnittschutz?

Eine allgemeine Maßnahme sind Schnittschutzhandschuhe aus einem schnittfesten Material. Als Entwickler und Hersteller von Schnittschutzhandschuhen berücksichtigen wir Faktoren, wie schnittfeste Garne, Reißfestigkeit von Strickgewebe und Abriebfestigkeit. Aber auch andere Eigenschaften, wie Bewegungsfreiheit der Finger und Griffsicherheit, sind wichtige Aspekte eines wirksamen Schnittschutzes.

Abgesehen von Handschuhen umfasst ein Schnittschutz noch weitere Faktoren, die nicht mit der Schutzausrüstung verbunden sind, wie Maschinenschutz, Einrichtung des Arbeitsplatzes, Arbeitsbedingungen und Mitarbeiterschulung. Handschuhe, so wichtig sie für uns auch sind, werden häufig als das letzte Glied einer Kette von Schutzmaßnahmen betrachtet. Arbeitsschutzbeauftragte müssen alles dafür tun, dass die Hände von Mitarbeitern erst gar nicht in Gefahr geraten.

F2: Was ist bei der Auswahl der erforderlichen Schnittschutzstufe zu berücksichtigen? Wäre die einfachste Lösung nicht die Auswahl des Produkts mit dem höchsten erreichbaren Schutzfaktor?

Die Bekämpfung eines Symptoms ist nicht genug. Nehmen wir beispielsweise eine Schnittverletzung. Zu ihrer Vermeidung genügt nicht einfach eine größere Schnittfestigkeit des Handschuhs, sondern auch die Grundursache einer Verletzung muss identifiziert werden.

... Es ist nicht so einfach wie die Erhöhung der Schnittfestigkeit des Handschuhs...

Wurde die Schnittverletzung von einem scharfkantigen Objekt verursacht, oder durch einen Verlust der Griffsicherheit, einen schlecht sitzenden Handschuh oder aufgrund einer Ermüdung der Hände? Es gibt zahlreiche weitere Faktoren, die eine Schnittverletzung verursachen können. Daher ist es äußerst wichtig, dass die Gefahren vollständig analysiert und die richtigen Handschuhe ausgewählt werden. Verletzungen sind häufig das Ergebnis einer falschen Handschuhauswahl oder des fehlenden Verständnisses der Schutzanforderungen für den Handschuhträger.

F3: Im Jahr 2016 erfolgte eine weitreichende Aktualisierung der EN 388. Könnten Sie uns erklären, was neu ist und wie sich die Änderungen auf die Auswahl von Schutzhandschuhen auswirken?

Seit der Erstfassung dieser Norm aus dem Jahr 1994 und ihrer letzten Neufassung im Jahr 2003 haben sich Technologien weiterentwickelt oder sind neue Technologien entstanden. Durch neue Technikfasern, wie Glas- oder Edelstahlfaser, sind die Testverfahren der Schnittfestigkeit uneinheitlich und unzuverlässig geworden; die Ergebnisse wiesen von Labor zu Labor, und manchmal selbst innerhalb eines selben Labors, erhebliche Schwankungen auf. Daher bestand ein dringender Bedarf an neuen Testverfahren.

Für Tests der Abriebfestigkeit wird das im Rahmen der alten Norm verwendete Schleifpapier nicht länger eingesetzt. Daraus ergab sich, dass viele unterschiedliche Schleifpapiere verwendet wurden, die uneinheitliche Ergebnisse produzierten. In der aktuellen Neufassung der Norm wurde ein neues Schleifpapier festgelegt, so dass nun wieder zuverlässige und einheitliche Testergebnisse möglich sind.

Seit Kurzem gibt es einen Trend, Handschuhe als weiteres Schutzelement mit stoßfesten Polsterung zu versehen. Da es kein einheitliches Testverfahren für deren Wirksamkeit gab, begannen Handschuhhersteller damit, Eigenschaften zu deklarieren, die nicht durch Tests belegt waren. Zur Schaffung von mehr Klarheit bezüglich dieser Eigenschaften wurde ein Test zur Bemessung der Schutzleistung vor Stoßeinwirkungen entwickelt. Handschuhe müssen nun für eine gültige Erklärung der Stoßschutzeigenschaften vorher einem Pass- und Fail-Test unterzogen werden.

Außerdem, und vielleicht mit der größten Auswirkung auf die Industrie, wurde ein neuer EN-ISO-Schnittfestigkeitstest eingeführt. Dieser gilt insbesondere für schnittfeste Materialien, die Klingen beim Schneidetest stumpf werden lassen. Für Handschuhhersteller gibt es nun zwei Schnittfestigkeitstests. Arbeitsschutzmanager müssen verstehen, wie diese Tests funktionieren und welche Bedeutung sie für Handschuhträger haben.

F4: Manchmal wird behauptet, Leder sei das beste Material für den Körperschutz. Welche im Markt erhältlichen Materialien erfüllen Ihrer Erfahrung nach aktuell die hohen Anforderungen an die Schnittfestigkeit?

leather glove

Leder ist weit davon entfernt, das ideale Material für den Schnittschutz zu sein.

Leder ist weit davon entfernt, das ideale Material für den Schnittschutz zu sein. Da es ein Naturprodukt ist, sind seine Materialeigenschaften uneinheitlich. Für Hersteller ist es schwierig, Leder als zuverlässiges Schnittschutzmaterial zu verwenden. Letztendlich ist Leder nichts anderes als Haut, und die menschliche Haut durch Produkte aus Tierhaut zu schützen, ergibt in der heutigen Zeit keinen Sinn mehr.

Heute gibt es zahlreiche Garne, die eine hohe Schnittschutzebene bieten. Einige der wirksamsten von diesen sind Misch- oder Technikgarne. Para-Aramidfasern haben beispielsweise die fünffache Stärke von Stahlfaser, und hochleistungsfähige Polyethylenfasern die dreifache Stärke von Para-Aramidfaser. Außerdem bieten diese Garne einen sehr hohen Tragekomfort und erlauben eine herausragende Fingerbeweglichkeit. Wir sind heute wesentlich fähiger, Handschuhe mit diesen Garnen zu entwickeln, zu testen und zu produzieren und damit hohe Schnittschutzstufen zu erzielen, die auch langfristig zuverlässig sind.

F5: Welche weiteren wichtigen Faktoren gibt es für die Bewertung des Schnittschutzes und die Auswahl von Handschuhen?

Griffsicherheit. Deren Bedeutung ist offensichtlich, wenn man bedenkt, dass scharfkantige Objekte eine wesentlich größere Gefahr darstellen, wenn sie in Bewegung sind. Ein sicherer Griff, kombiniert mit der richtigen Schnittschutzstufe, senkt erheblich die Gefahr von Schnittverletzungen. Das Verhindern eines Abrutschens und der geringere Kraftaufwand, der beim Greifen nötig ist, ermöglichen dem Handschuhträger eine bessere Kontrolle.

F6: Arbeiter sagen häufig, dass sie einen Handschuh bevorzugen, der Schutz, Fingerbeweglichkeit und Tragekomfort bietet. Sind Produkte dieser Art erhältlich, oder werden Handschuhe mit nur einer oder zwei dieser Eigenschaften entwickelt?

In der Vergangenheit war das eine schwierige Aufgabe. Häufig musste man zur Maximierung der Schutzleistung die Fingerbeweglichkeit einschränken. Mit den modernen Garnen und neuen Testverfahren der Schutzleistung kommen wir jedoch unserem Ziel, Handschuhe zu entwickeln, die Arbeiter gerne tragen, immer näher.

HyFlex®-Produkte mit schnittfestem INTERCEPT™-Garn sind dafür ein gutes Beispiel. Die INTERCEPT™-Technologie mischt Technik-, Synthetik- und Naturfasern zu einem Gewebe mit einer hohen Schnittfestigkeit. Die Fasern sind eine Mischung von Technikgarnen, wie Para-Aramid und hochleistungsfähiges Polyethylen. Durch eine Mischung dieser Garne mit komfortablen Garnen, wie Lycra und Baumwolle, gelingt uns die Herstellung von großartigen Produkten.

F7: Wie genau funktioniert die INTERCEPT™-Technologie, und was sind ihre Vorteile für Unternehmen, Arbeitsschutzmanager und letztendlich die Sicherheit der Arbeiter?

A:Die INTERCEPT™-Technologie geht zurück auf weltweite Nachfragen in den verschiedenen Industrien für komplettere Schnittschutzprodukte, insbesondere für allgemeine Arbeiten, die bekanntermaßen eine Gefahr für Schnittverletzungen bergen. Auf der Grundlage seiner tiefgreifenden Kenntnisse dieser Industrien stellte Ansell seine vollständige Kontrolle über das gesamte Produktionsverfahren der Handschuhreihe sicher: von der Beschaffung der Rohstoffe über die Strickmuster bis hin zur Handschuhbeschichtung in unseren eigenen Werken.

Dieses Verfahren ermöglichte uns das Erzielen einer beständigen Schnittschutzleistung. Hier liegt ein Vorteil der INTERCEPT™-Technologie. Für Arbeitsschutzmanager bedeutet das Sorgenfreiheit, denn sie wissen, dass ihre Mitarbeiter immer einheitlich gut geschützt sind.

F8: Ein flexibler Griff ist einer der Hauptvorteile der aktuellen HyFlex®-Reihe. Könnten Sie erklären, aus welchen anderen Gründen sich Arbeiter für diese Handschuhe entscheiden sollten?

A: Unsere aktuelle HyFlex-® -Reihe deckt viele der von uns hier besprochenen Faktoren ab. Sie sind durch ihre verstärkte Daumenbeuge strapazierfähiger, über längere Tragezeiten komfortabel, ölabweisend und mit die leichtesten Schnittschutzhandschuhe auf dem Markt.

F9: Möchten Sie noch etwas hinzufügen?

A:Produkte mit der Qualifizierung „Schnittfestigkeit“ und „Schnittschutz“ oder „Durchstichfestigkeit“ oder „Stichschutz“ verhindern oder eliminieren nicht vollständig die Gefahr von Schnitt- oder Stichverletzungen und eignen sich nicht zum Schutz bei Arbeiten mit Band- und Kreissägen oder mit anderen scharfkantigen, gezackten oder rotierenden Werkzeugen oder Anlagen. Es liegt in der Verantwortung der Handschuhträger, scharfkantige Materialien immer mit Vorsicht und Sorgfalt zu handhaben.

Herzlichen Dank an Paul, dass er sich die Zeit genommen hat, sein Wissen mit uns zu teilen!